Ziel meiner Landschaftsaufnahmen ist es, zwei scheinbar
unvereinbare Wahrnehmungsweisen der Natur miteinander zu
verbinden: Die Perspektive eines Malers und die eines
Forschers.
Das Interesse des klassischen Landschaftsmalers gilt dem
Gesamtbild. Er arbeitet mit Linien, Formen und Farben. Er
ist auf der Suche nach Ausgewogenheit und nach gelungener
Komposition. Sieht er beispielsweise eine Düne, so
nimmt er ihre harmonisch geschwungenen Formen und, bei
niedrigem Sonnenstand, das Spiel von Licht und Schatten
wahr. Gäbe man ihm eine Kamera, so würde er
Bilder schaffen, die die Schönheit, die Kraft oder
die Vergänglichkeit des Gesehenen festhalten.
Das Interesse des Naturforschers hingegen richtet sich
viel stärker auf die Details. Ihn interessieren
Kausalität, die Naturkräfte und ihre
Wechselwirkungen miteinander, Determinismus. Er sucht
nach Erklärungen dafür, daß die Dinge so
sind, wie sie sind, und er ist bestrebt,
Naturphänomene auf Gesetzmäßigkeiten
zurückzuführen. Führen wir ihn zu der
selben Düne, so würde er das einzelne Sandkorn
untersuchen. Er würde die Form der Düne, ihren
Böschungswinkel und die laufenden
Gestaltsveränderungen durch den Wind auf die
physikalischen Eigenschaften des Sandkorns
zurückführen. Gäben wir ihm eine Kamera,
so würde er sich in Form von Nahaufnahmen auf
Strukturen, Muster und Oberflächenbeschaffenheiten
konzentrieren, die ihrerseits allesamt Zeugnis ablegen
vom Spiel der Naturkräfte und ihrer gestaltenden
Wirkung auf belebte und unbelebte Natur – und indem
er dies tut, würde er Ursachen für die
Beschaffenheit der natürlichen Welt sichtbar
machen.
Der Einsatz von Großformatkameras sowie ein
aufwendiger Prozeß zur Herstellung der
Vergrößerungen erlaubt es mir, beide
Wahrnehmungsweisen der Natur in einem einzigen Bild zu
erfassen. Mein Ziel sind Photographien, die zwei sehr
verschiedene, aber dennoch untrennbar miteinander
verwobene Ebenen aufweisen: eine ästhetische Ebene
(die Wirkung der Natur auf den Betrachter) und eine rein
analytische Ebene (die Wirkung formender Kräfte auf
die Natur). Da diese Ebenen häufig auf voneinander
sehr unterschiedlichen
Größenmaßstäben angesiedelt sind,
setzt die Verschmelzung beider in einem Bild eine extrem
hohe optische Auflösung voraus. Das 4 x
5"-Aufnahmeformat (9 x 12 cm) ist hierfür in den
meisten Fällen nicht hinreichend detailtreu,
weswegen ich für meine Arbeit überwiegend 5 x
7"- und 5 x 13"-Kameras (Filmformat 13 x 18 cm bzw. 13 x
34 cm) verwende. Aus den gleichen Gründen bevorzuge
ich ein Endformat meiner Vergrößerungen von
mindestens 70 x 100 cm. Die Verwendung von
„Cibachrome“-Photopapier und die Kaschierung
der Vergrößerungen hinter Glas oder Plexiglas
verleihen den Photographien ein Maximum an Brillianz, die
den extremen Detailreichtum und die Plastizität der
Aufnahmen noch weiter unterstreichen. Dank der über
Jahre hinweg immer weiter verfeinerten Abstimmung einer
Fülle technischer Parameter gelingt in meinen
Bildern nun eine Synthese zweier komplementärer
Weltsichten – der Sichtweise des Malers und der des
Forschers.